Erinnerungen einer langgedienten Verbandssekretärin

 

Ulli Hofmayr berichtet über die Anfänge der BAV


Viele Kommunalpolitiker, aber auch Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung standen anfangs dem BAV mit großer Skepsis, ja sogar mit Ablehnung gegenüber. Wieder eine neue finanzielle Belastung für die Gemeinden, wieder ein neuer Verband der Kosten verursacht, das war das Argument.
Tatsächlich aber entstand zu Beginn der 90-er Jahre eine neue Ära, eine Ära zu deren Beginn eine Veränderung des Problembewusstseins zum Thema „Müll“ stand, und nachfolgend eine tiefgreifende Änderung der Abfallentsorgung und -verwertung. Die BAV waren ein wesentlicher Teil davon. Ihr Handeln war mitentscheidend für die positive Entwicklung der kommunalen Abfallwirtschaft. Positiv im Sinne einer umweltgerechten Verwertung und Entsorgung der Hausabfälle, eine Hauptverantwortung der BAV. Und positiv bei der Umsetzung weiterer Maßnahmen im Bereich Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Wiederverwertung, Altstoffsammlung, um ein paar Beispiele zu nennen. Dass die Komplexität der Abfallwirtschaft im Laufe der letzten 30 Jahre enorm gestiegen ist, braucht man dabei nicht extra zu betonen. Ohne die Fachleute der BAV wäre die kommunale Abfallwirtschaft nachgerade nicht vorhanden. Die private Entsorgungswirtschaft hätte sich darum „gekümmert“, die Kommunen dafür bezahlt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Abfall ist in den letzten 30 Jahren wertvoller Rohstoff und damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Aber das ist nicht alles. Immer wieder gibt es neue Techniken, neue Materialien, neue (gefährliche) Abfälle und damit erneut Entsorgungsprobleme. Die BAV´ werden sich auch diesen Themen stellen müssen. Denn solange der Hersteller eines Produkts nicht verpflichtet wird, die umweltgerechte Verwertung nach Ende der Lebensdauer nachweislich sicherzustellen, bleibt es eine Aufgabe der öffentlichen Hand.

Auf eine nachsorgefreie und ressourcenschonende Zukunft!


 

Bewältigung komplexer Aufgaben durch Gemeindekooperation

 

Bewältigung komplexer Aufgaben durch Gemeindekooperation – ein Gewinn auf ganzer Ebene


Abfallbewirtschaftung war gestern, heute sprechen wir von Ressourcenschonung durch Rohstoffe aus Abfällen. Vermeiden von kurzlebigen Gütern und Wiederverwenden von Produkten stehen am Anfang der Aufklärung. Das stoffliche und anschließend das energetische Potential der Abfälle zu nutzen, vervollständigt die Kreislaufwirtschaft unserer Güter, der wir uns als Gesellschaft immer weiter annähern müssen. Die BAV haben sich mit der Marke „Umwelt Profis“ diesen Zielen verschrieben. Vieles ließe sich auf Ebene einer Gemeinde gar nicht so wirtschaftlich umsetzen, denken wir an die Vermarktung der Altstoffe oder die langfristigen Kooperationen mit den Behandlungsanlagen. In beiden Fällen bewirkt die Bündelung der Abfallmengen über die Gemeindegrenze hinaus einen Kostendämpfungseffekt. Den Konsumenten wird heute vom BAV ein umfassendes Angebot an Entsorgungsmöglichkeiten geboten. Die dazu notwendige Aufklärungs- und Informationsarbeit wird über alle Altersgruppen gedacht und spezifisch den Zielgruppen angepasst. Den Gemeinden wird die Unterstützung bei Rahmenverträgen zur Sammlung der Biotonne oder der Restabfallsammlung angeboten, aber auch die Beratung bei Gebührenkalkulation und Dokumentationspflichten zur Abfallbilanzmeldung. Synergieeffekte zu heben und stabiles Qualitätsmanagement sind hier die Vorteile.

In den Bezirken Rohrbach und Schärding ist die Kooperation der Gemeinden schon so weit gediehen, dass der BAV eine bezirkseinheitliche Gebührenkalkulation transparent erarbeitet. Die Gemeinde braucht die ermittelte Gebühr inklusive eines Verwaltungsaufschlages nur mehr vorschreiben. Wenn man bedenkt, dass mehr als 70 % der Abfallentsorgungsleistungen ohnedies auf Ebene des BAV verwaltet und abgerechnet werden, eigentlich eine nachvollziehbare Tendenz. Für die Haushalte sind diese Kooperationen auch im Geldbörserl merkbar. Trotz steigernder Kosten bzw. sinkender Einnahmen liegen die durchschnittlichen Abfallgebühren für einen Haushalt bei rund 3 Euro die Woche. Trotz steigender Leistung ist die Verhältnismäßigkeit der Kostenbelastung also nicht aus dem Ruder gelaufen.


 

30 Jahre erfolgreiche Gemeindekooperation

„Vor 30 Jahren wurde durch die gesetzliche Verpflichtung, wonach die Kommunen in Oberösterreich die Abfallbewirtschaftung GEMEINSAM erfüllen müssen, eine Entscheidung getroffen, die österreichweit und darüber hinaus beispielgebend war und nach wie vor erfolgreich und zukunftsweisend ist.  Die OÖ Umwelt Profis haben sich in der Abfallwirtschaft eine unersetzliche Position erarbeitet, getragen von Professionalität und Bürgernähe. Fazit: Gemeindekooperationen rechnen sich, damals, heute und in Zukunft.“


Vorsitzender des OÖ. Landesabfallverbandes Bgm. Roland Wohlmuth.

Aus Anlass des 30 Jahre Jubiläums der Bezirksabfallverbände startet hier auf dieser Seite eine Beitrags-Serie unter dem Titel „BAV History“ mit wöchentlichen Beiträgen zur Entwicklungsgeschichte der kommunalen Abfallwirtschaft in OÖ. Interessante Fakten, persönliche Erinnerungen und schon Vergessenes werden diese Beitrags-Serie laufend erweitern. Im Herbst sollte daraus dann ein Archiv der Zeitgeschichte der BAV entstanden sein.

 

Eine Rückschau auf 30 Jahre erfolgreiche Gemeindekooperation


Auslöser für die Gründung der BAV war eigentlich eine Notlage. Denn steigende Abfallmengen füllten die Deponien im Lande vorschnell zu. Ein „Deponienotstand“ wurde vom damaligen Umweltanwalt Dr. Wimmer vorausgesagt. LH a.D. Dr. Josef Pühringer war damals Umweltlandesrat und fand den Ausweg in der gesetzlich verpflichtenden Gründung der BAV als Gemeindeverbände nach dem OÖ Abfallwirtschaftsgesetz 1991. Alle Gemeinden eines Bezirkes mussten gemeinsam einen Bezirksabfallverband gründen und sich zwei Aufgaben stellen: Durch Trennung der Altstoffe den Restmüll reduzieren und in jedem Bezirk eigenverantwortlich Deponievolumen schaffen. Beide Bemühungen wurden durch beträchtliche finanzielle Förderungen des Landes unterstützt. Mangels klarer Vorgaben wurden teilweise in Eigenverantwortung Verbandsstrukturen aufgebaut. Die ersten gewählten Obmänner der BAV waren entweder „gewichtige, erfahrene“ Bezirkspolitiker, oder es „traf“ die jüngsten Bürgermeister der Region.

Große Bedeutsamkeit erlangte demnach die getrennte Altstoffsammlung. Testversuche beim ersten ASZ in Weibern zeigten, dass die Bevölkerung durchaus sensibilisiert werden konnte, Papier, Altglas und größere Kunststoffgebinde getrennt in Behälter einzuwerfen. Mit der Ausbildung und Anstellung von Abfallberatern begann die Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung. Einen zusätzlichen Entwicklungsturbo verursachte die Verpackungsverordnung des Bundes 1993. Produzenten mussten erstmals Verantwortung für ihre Verpackungen übernehmen. Beim Ausbau flächendeckender Sammelbehälter für Verpackungen konnten die BAV spezifisch für die Regionen akzeptable Sammelstrukturen entwickeln. Die ASZ Sammelmengen sind seitdem stetig gestiegen. So wurden beispielsweise im Jahr 1991 12.000 Tonnen Abfälle über die Altstoffsammelzentren gesammelt. 2020 lag die ASZ-Sammelmenge bei knapp 300.000 Tonnen. Allein der Anteil an gesammelten Verpackungen stieg seit 1991 von 2.300 Tonnen auf knapp 45.000 Tonnen an.