Deponiestandortsuche

 

Der Start im Bezirk Ried


Die Gründungsversammlung des BAV Ried war am 17. Mai 1991 in der Bezirkshauptmannschaft Ried. Bezirkshauptmann Hofrat Demmelbauer ersuchte mich, den BAV als Gründungsobmann zu übernehmen, da ich mich schon vorher mit diesem Thema beschäftigt habe.

Meine Tätigkeit in der kommunalen Abfallwirtschaft hat sich sehr interessant entwickelt: Erste Aufgabe des BAV war es, in jedem Bezirk eine Deponie-Standortsuche durchzuführen. Häufig kam es dabei zu heftigen Diskussionen, bei denen die „Experten“ unter den Diskussionsteilnehmern und nicht am Podium zu finden waren. Diese Diskussionen kamen uns aber später bei der Umsetzung des Bezirkskonzepts zugute, weil den Menschen durch die Standortsuche die wachsende Müllproblematik bewusst geworden war.

Sehr gut ist uns in den Jahren auch die Personalauswahl gelungen. Die ersten Mitarbeiter, die wir in den Folgejahren eingestellt haben, sind auch heute noch erfolgreich beim BAV tätig.

Eine sehr wesentliche und gute Entscheidung war 1996/1997 die Übernahme der LAVU als operatives Logistikunternehmen für die Führung der ASZ, um die uns heute noch andere Bundesländer beneiden. Ich denke gerne zurück an die nächtelangen Verhandlungen zur Einführung der Verpackungssammlung. Entscheidend war bei diesen Verhandlungen die gute Zusammenarbeit mit dem LAV und dem Vorstand des BAV. Ich leitete den BAV Ried 19 Jahre lang bis 2009 und übergab meine Funktion dann an meinen Kollegen Bgm. Karl Ehwallner.

In diesem Sinne wünsche ich dem OÖ Landesverband und den OÖ Abfallverbänden eine weiter erfolgreiche und gute Zukunft.


Herzliche Grüße
Bgm. a.D. ÖR Karl Sallaberger

 

 

 


 

Erfolgsgeschichte ASZ

 

Horst Müller über eine Erfolgsgeschichte mit 3 Buchstaben: ASZ.


Als im Februar 1987 das OÖ. Landes-Abfallverwertungsunternehmen LAVU gegründet wurde, galt es, eine Reihe von Alt- und Problemstoffsammlungen fortzuführen, neu zu organisieren oder ganz einfach zu retten. Ich wurde zum Geschäftsführer bestellt.
Acht Monate später, im Oktober 1987 gab der damalige oö Umweltlandesrat Mag. Helmut Kukacka im ORF ein Interview. Er wurde heftig mit der Frage bedrängt: „Herr Landesrat, die Bürger wären bereit, Alt- und Problemstoffe getrennt zu sammeln, aber sie wissen dann nicht, wohin damit. Was bieten Sie denen an?“ Nach einer kurzen Überlegung kam die Antwort: „Wir machen Altstoffzentren“. Von dieser Antwort wurde ich richtig überrascht. Nicht mehr überrascht war ich einige Tage später, als ein Schreiben eintraf: „Das LAVU soll sich umgehend überlegen, wie man Einrichtungen schaffen könnte, in denen getrennt gesammelte Abfälle gesammelt und möglichst einer Wiederverwertung zugeführt werden können.“ Es gab noch so gut wie keine Beispiele dafür. Ich hatte damals vielleicht acht Mitarbeiter. Wir setzten uns zusammen, legten an die 10 Altstoffe fest, die wir annehmen wollten, und für die wir Verwertungsmöglichkeiten sahen. Das Sammelgut sollte in Big Bags und alten, gereinigten Ölfässern übernommen werden. Als Sammelstelle sollte eine kleine Holzhütte bei einer Straßenmeisterei dienen. Die Realisierung erfolgte im Frühjahr 1988 –inzwischen war Dr. Josef Pühringer oö Umweltlandesrat geworden. Er hatte festgelegt, dass das erste ASZ in der Straßenmeisterei Weibern errichtet und von deren Mitarbeitern betrieben werden sollte. Die Begeisterung des damaligen Straßenmeisters hielt sich in Grenzen.
Die Eröffnung könnte man rückwirkend als „Großes Ereignis wegen einer kleinen Holzhütte“ charakterisieren.
Das Interesse an dieser Einrichtung erwies sich jedoch als enorm! Nach drei Monaten waren nicht nur aus dem Bezirk Grieskirchen, sondern auch aus sämtlichen angrenzenden Bezirken Anlieferer gekommen, wie die Aufzeichnungen bestätigten. Als wir die ersten Berichte an LR Dr. Pühringer und LH Dr. Ratzenböck lieferten, erhielten wir den Auftrag, diese Sammelversuche massiv voranzutreiben. Unsere Erfahrung hatte uns gezeigt, dass wir künftige Altstoffsammelzentren wesentlich professioneller ausstatten mussten, wenn wir dem Ansturm gewachsen sein wollten. Dementsprechend wurden gleich fünf – für damalige Verhältnisse „moderne“- Gebäude mit entsprechender Einrichtung in Angriff genommen (Freistadt, Ansfelden, Kremsmünster, Mondsee und Ried i. I.).
Die Aufgabe als erster LAVU-Geschäftsführer war für mich eine hoch interessante, aber auch hoch anstrengende. Ohne die sehr engagierten MitarbeiterInnen wäre das nicht zu schaffen gewesen.

 


 

Stimmen zu 30 Jahre BAV

„Zweifellos ist die für Oberösterreich typisch gute Zusammenarbeit im Bereich der Abfallwirtschaft aller Bezirke und Statutarstädte ein Erfolgsmodell. Der Höhepunkt dieser Entwicklung stellte die Übernahme der OÖ. LAVU GmbH dar. All das war sicher nur möglich, weil viele professionelle Kräfte am Werk waren und noch immer sind. Zum 30-jährigen Jubiläum wünsche ich allen Verbänden, allen Funktionären und Mitarbeitern viel Erfolg zum Wohle der Bevölkerung unseres Bundeslandes.“

Bgm. a.D. Franz Weissenböck, ehem. Obmann BAV Grieskirchen

 

„Der LAV und die BAVs bilden in der Verwaltung ein schlankes Netzwerk, das sich in öffentlicher Hand befindet und auch in Zukunft die Abfallwirtschaft hin zur Rohstoffwirtschaft im Sinne der Daseinsvorsorge gestalten wird. Neue Sammelstellen sind nicht dort zu errichten, wo sie sich am besten rechnen, sondern dort, wo sie für die Bevölkerung am besten annehmbar sind.

Die Mühsal steckt oft im Detail, und deren gab es viele. Es war eine spannende Aufgabe in den letzten 25 Jahren mit dem LAV die Abfallwirtschaft zu gestalten und aus der „Steinzeit“ herauszuführen.“

Bgm. a.D. Ing. Alois Schaubmayr, ehem. Verbandsekretär BAV Rohrbach

 


 

Anti Littering

 

Flurreinigungsaktion „HUI statt PFUI“


Auch das Thema „Anti-Littering“ fällt in den Zuständigkeitsbereich der OÖ Umwelt Profis. Viel Beachtung findet in diesem Bereich die gut etablierte Kampagne „Hui statt Pfui“, die bereits seit 13 Jahren besteht. Sie wurde von den OÖ Umwelt Profis und dem Land Oberösterreich im Jahr 2008 erstmalig initiiert wird nun seither jährlich wiederholt.

Traditionell finden die Flursäuberungsaktionen, an denen sich viele engagierte BürgerInnen freiwillig beteiligen, um das Littering-Problem einzudämmen, von Frühling bis Anfang Sommer statt. Diese Aktionen leisten einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema Littering und Umweltverschmutzung. 2019 wurden bei Flurreinigungsaktionen in Oberösterreich rund 90 Tonnen Abfälle von 28.000 Teilnehmern eingesammelt. Unterstützung kommt seit 13 Jahren von den OÖ Umwelt Profis der kommunalen Abfallwirtschaft, durch Koordinierung der Gemeindesammelaktionen und zur Verfügung stellen von Handschuhen und Abfallsäcken. Der OÖ Landesabfallverband hat zudem für alle TeilnehmerInnen der angemeldeten Aktionen eine Unfall- und Haftpflichtversicherung abgeschlossen, um den Gemeinden das Risiko von allfälligen Haftungen abzunehmen.

Mit Abstand und unter Einhaltung der aktuell geltenden Corona-Regeln wird auch heuer die Anti-Littering-Kampagne „Hui statt Pfui“ der OÖ Umwelt Profis weitergeführt. Nach dem Motto: Auf Distanz, aber trotzdem gemeinsam für die Umwelt!

 

Fotos: Landjugend OÖ


 

Erinnerungen einer langgedienten Geschäftsstellenleiterin

 

Ulli Hofmayr berichtet über die Anfänge der BAV


Viele Kommunalpolitiker, aber auch Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung standen anfangs dem BAV mit großer Skepsis, ja sogar mit Ablehnung gegenüber. Wieder eine neue finanzielle Belastung für die Gemeinden, wieder ein neuer Verband der Kosten verursacht, das war das Argument.
Tatsächlich aber entstand zu Beginn der 90-er Jahre eine neue Ära, eine Ära zu deren Beginn eine Veränderung des Problembewusstseins zum Thema „Müll“ stand, und nachfolgend eine tiefgreifende Änderung der Abfallentsorgung und -verwertung. Die BAV waren ein wesentlicher Teil davon. Ihr Handeln war mitentscheidend für die positive Entwicklung der kommunalen Abfallwirtschaft. Positiv im Sinne einer umweltgerechten Verwertung und Entsorgung der Hausabfälle, eine Hauptverantwortung der BAV. Und positiv bei der Umsetzung weiterer Maßnahmen im Bereich Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Wiederverwertung, Altstoffsammlung, um ein paar Beispiele zu nennen. Dass die Komplexität der Abfallwirtschaft im Laufe der letzten 30 Jahre enorm gestiegen ist, braucht man dabei nicht extra zu betonen. Ohne die Fachleute der BAV wäre die kommunale Abfallwirtschaft nachgerade nicht vorhanden. Die private Entsorgungswirtschaft hätte sich darum „gekümmert“, die Kommunen dafür bezahlt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Abfall ist in den letzten 30 Jahren wertvoller Rohstoff und damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Aber das ist nicht alles. Immer wieder gibt es neue Techniken, neue Materialien, neue (gefährliche) Abfälle und damit erneut Entsorgungsprobleme. Die BAV´ werden sich auch diesen Themen stellen müssen. Denn solange der Hersteller eines Produkts nicht verpflichtet wird, die umweltgerechte Verwertung nach Ende der Lebensdauer nachweislich sicherzustellen, bleibt es eine Aufgabe der öffentlichen Hand.

Auf eine nachsorgefreie und ressourcenschonende Zukunft!


 

Bewältigung komplexer Aufgaben durch Gemeindekooperation

 

Bewältigung komplexer Aufgaben durch Gemeindekooperation – ein Gewinn auf ganzer Ebene


Abfallbewirtschaftung war gestern, heute sprechen wir von Ressourcenschonung durch Rohstoffe aus Abfällen. Vermeiden von kurzlebigen Gütern und Wiederverwenden von Produkten stehen am Anfang der Aufklärung. Das stoffliche und anschließend das energetische Potential der Abfälle zu nutzen, vervollständigt die Kreislaufwirtschaft unserer Güter, der wir uns als Gesellschaft immer weiter annähern müssen. Die BAV haben sich mit der Marke „Umwelt Profis“ diesen Zielen verschrieben. Vieles ließe sich auf Ebene einer Gemeinde gar nicht so wirtschaftlich umsetzen, denken wir an die Vermarktung der Altstoffe oder die langfristigen Kooperationen mit den Behandlungsanlagen. In beiden Fällen bewirkt die Bündelung der Abfallmengen über die Gemeindegrenze hinaus einen Kostendämpfungseffekt. Den Konsumenten wird heute vom BAV ein umfassendes Angebot an Entsorgungsmöglichkeiten geboten. Die dazu notwendige Aufklärungs- und Informationsarbeit wird über alle Altersgruppen gedacht und spezifisch den Zielgruppen angepasst. Den Gemeinden wird die Unterstützung bei Rahmenverträgen zur Sammlung der Biotonne oder der Restabfallsammlung angeboten, aber auch die Beratung bei Gebührenkalkulation und Dokumentationspflichten zur Abfallbilanzmeldung. Synergieeffekte zu heben und stabiles Qualitätsmanagement sind hier die Vorteile.

In den Bezirken Rohrbach und Schärding ist die Kooperation der Gemeinden schon so weit gediehen, dass der BAV eine bezirkseinheitliche Gebührenkalkulation transparent erarbeitet. Die Gemeinde braucht die ermittelte Gebühr inklusive eines Verwaltungsaufschlages nur mehr vorschreiben. Wenn man bedenkt, dass mehr als 70 % der Abfallentsorgungsleistungen ohnedies auf Ebene des BAV verwaltet und abgerechnet werden, eigentlich eine nachvollziehbare Tendenz. Für die Haushalte sind diese Kooperationen auch im Geldbörserl merkbar. Trotz steigernder Kosten bzw. sinkender Einnahmen liegen die durchschnittlichen Abfallgebühren für einen Haushalt bei rund 3 Euro die Woche. Trotz steigender Leistung ist die Verhältnismäßigkeit der Kostenbelastung also nicht aus dem Ruder gelaufen.


 

30 Jahre erfolgreiche Gemeindekooperation

„Vor 30 Jahren wurde durch die gesetzliche Verpflichtung, wonach die Kommunen in Oberösterreich die Abfallbewirtschaftung GEMEINSAM erfüllen müssen, eine Entscheidung getroffen, die österreichweit und darüber hinaus beispielgebend war und nach wie vor erfolgreich und zukunftsweisend ist.  Die OÖ Umwelt Profis haben sich in der Abfallwirtschaft eine unersetzliche Position erarbeitet, getragen von Professionalität und Bürgernähe. Fazit: Gemeindekooperationen rechnen sich, damals, heute und in Zukunft.“


Vorsitzender des OÖ. Landesabfallverbandes Bgm. Roland Wohlmuth.

Aus Anlass des 30 Jahre Jubiläums der Bezirksabfallverbände startet hier auf dieser Seite eine Beitrags-Serie unter dem Titel „BAV History“ mit wöchentlichen Beiträgen zur Entwicklungsgeschichte der kommunalen Abfallwirtschaft in OÖ. Interessante Fakten, persönliche Erinnerungen und schon Vergessenes werden diese Beitrags-Serie laufend erweitern. Im Herbst sollte daraus dann ein Archiv der Zeitgeschichte der BAV entstanden sein.

 

Eine Rückschau auf 30 Jahre erfolgreiche Gemeindekooperation


Auslöser für die Gründung der BAV war eigentlich eine Notlage. Denn steigende Abfallmengen füllten die Deponien im Lande vorschnell zu. Ein „Deponienotstand“ wurde vom damaligen Umweltanwalt Dr. Wimmer vorausgesagt. LH a.D. Dr. Josef Pühringer war damals Umweltlandesrat und fand den Ausweg in der gesetzlich verpflichtenden Gründung der BAV als Gemeindeverbände nach dem OÖ Abfallwirtschaftsgesetz 1991. Alle Gemeinden eines Bezirkes mussten gemeinsam einen Bezirksabfallverband gründen und sich zwei Aufgaben stellen: Durch Trennung der Altstoffe den Restmüll reduzieren und in jedem Bezirk eigenverantwortlich Deponievolumen schaffen. Beide Bemühungen wurden durch beträchtliche finanzielle Förderungen des Landes unterstützt. Mangels klarer Vorgaben wurden teilweise in Eigenverantwortung Verbandsstrukturen aufgebaut. Die ersten gewählten Obmänner der BAV waren entweder „gewichtige, erfahrene“ Bezirkspolitiker, oder es „traf“ die jüngsten Bürgermeister der Region.

Große Bedeutsamkeit erlangte demnach die getrennte Altstoffsammlung. Testversuche beim ersten ASZ in Weibern zeigten, dass die Bevölkerung durchaus sensibilisiert werden konnte, Papier, Altglas und größere Kunststoffgebinde getrennt in Behälter einzuwerfen. Mit der Ausbildung und Anstellung von Abfallberatern begann die Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung. Einen zusätzlichen Entwicklungsturbo verursachte die Verpackungsverordnung des Bundes 1993. Produzenten mussten erstmals Verantwortung für ihre Verpackungen übernehmen. Beim Ausbau flächendeckender Sammelbehälter für Verpackungen konnten die BAV spezifisch für die Regionen akzeptable Sammelstrukturen entwickeln. Die ASZ Sammelmengen sind seitdem stetig gestiegen. So wurden beispielsweise im Jahr 1991 12.000 Tonnen Abfälle über die Altstoffsammelzentren gesammelt. 2020 lag die ASZ-Sammelmenge bei knapp 300.000 Tonnen. Allein der Anteil an gesammelten Verpackungen stieg seit 1991 von 2.300 Tonnen auf knapp 45.000 Tonnen an.