Wir geben Abfallmythen keine Chance...

... und sprechen lieber Klartext

Es gibt einige Mythen rund um das Thema Abfall, die in den Köpfen vieler Menschen verankert sind. Wir sind den häufigsten davon auf den Grund gegangen und sprechen Klartext. Dabei zeigen wir häufige Mythen auf und erläutern die tatsächlichen Umstände.

Mythos: Glas

Klartext: Weiß- und Buntglas gehen getrennte Wege.

Im Jahr 2016 sammelten die Oberösterreicher*innen rund 38.800 Tonnen Altglas, das entspricht in etwa 25 Kilogramm Sammelmenge pro Kopf. Der große Vorteil von Glas ist, dass es unendlich oft eingeschmolzen und neu geformt werden kann. Jede Verunreinigung erschwert allerdings den Recyclingprozess. Besonders Weißglas kann nur aus Weißglas wiedergewonnen werden. Im Sammel-LKW werden Weiß- und Buntglas in zwei getrennten Kammern aufgefangen.

Was passiert, wenn eine grüne Flasche im Weißglas-Container landet?

Bereits eine einzige farbige Flasche reicht aus, um 500 Kilogramm Weißglas grünlich zu verfärben. Aber auch andere Verunreinigungen führen zu Problemen. Keramikeinschlüsse beispielsweise reduzieren die Festigkeit des Glases oder machen es sogar ganz unbrauchbar.

 Österreichweit gesehen spart die Glasverpackungssammlung jährlich so viel Energie ein, wie rund 49.000 Haushalte verbrauchen.

 

Mythos: Kunststoffverpackungen

Klartext: Viele Kunststoffe sind wertvolle Sekundärrohstoffe!

Der Hintergrund: Mehr als 15 unterschiedliche Kunststoffarten werden im ASZ sortenrein gesammelt. Die Weiterverarbeitung dieser Kunststoffe zu Regranulaten erfolgt in Recyclingbetrieben. Aus den Granulaten können unterschiedlichste Produkte, zum Beispiel neue Flaschen, Folien, Kanalrohre, aber auch Schuhabsätze und Fleece-Pullover erzeugt werden. „Dem höheren Sammelaufwand durch die genaue Trennung steht ein höherer Erlös für sortenreine Kunststoffe gegenüber“, so DI Christian Ehrengruber, Vorstand der oö. LAVU AG.

Zusatzinformation: Vom Nutzen der thermischen Verwertung

Gemischte Kunststoffverpackungen aus der Sammlung im gelben Sack und der gelben Tonne können zu rund 30 Prozent stofflich verwertet werden. Der Rest wird als Industriebrennstoff genutzt. Infolge der Aufbereitung dieser vermengten und verunreinigten Kunststoffverpackungen entsteht ein wertvoller Brennstoff, der vor allem in Zementwerken und der Zellstoffindustrie Verwendung findet. Dadurch wird wertvolle Primärenergie eingespart: Der Heizwert von einem Kilogramm Kunststoff entspricht in etwa dem von einem Liter Heizöl.

Nichts wird sinnlos verbrannt!

Mythos: Nachsortieren

Klartext: Die Kosten für aufwendiges Nachsortieren von Wertstoffcontainern zahlen alle Bürger*innen mit!

Fehlwürfe in Wertstoffcontainern (Papier, Kunststoff, Glas, Metall) müssen aufwendig aussortiert werden. Manchmal wird dadurch sogar der gesamte Tonneninhalt unbrauchbar. Das kostet unnötig Geld! Im Regelfall kommen die Verpackungsherstellerfirmen für die Kosten der Verpackungssammlung auf. Nur dann nicht, wenn der Fehlwurfanteil in den Tonnen zu hoch ist – dann muss die Kommune mitzahlen. Und das betrifft letzten Endes auch alle Steuerzahler*innen.

Warum ist das so?

Ganz einfach: Werfen wir Verpackungsabfälle in den Restabfall, wird der Abfallbehälter schneller voll und muss wesentlich öfter entleert werden. Das hat höhere Müllgebühren zur Folge. Getrennt gesammelte Verpackungen hingegen werden durch die Verpackungsverordnung in den Verantwortungsbereich der Verpackungshersteller gelegt. Die Sammelkosten sind bereits in den Produktpreisen enthalten – die Konsument*innen haben also beim Kauf bereits dafür bezahlt.

Fehlwürfe kosten jedem einzelnen von uns Geld.

Mythos: Restabfall

Klartext: Mit Altstoffen werden Erlöse erwirtschaftet, die Entsorgung von Restabfall ist teuer!

Was wäre, wenn die Oberösterreicher*innen ihre Abfälle nicht mehr trennen würden?
Die Abfallgebühr stiege in unmittelbarer Folge stark an.

Getrennt gesammelte Altstoffe sind wertvolle Rohstoffe und werden auf verschiedenste Weise wieder eingesetzt. Das weiß auch die produzierende Industrie – daher können für viele Altstoffe Erlöse erzielt werden. In Oberösterreich werden die in den ASZ gesammelten Abfallarten ins Abfall-Logistikzentrum (ALZ) der LAVU in Wels gebracht. Dort erfolgt die Verteilung an unterschiedliche Verwertungsbetriebe. Die Erlöse fließen in das System der kommunalen Abfallwirtschaft ein, wodurch die Abfallgebühr niedrig bleibt.

Es wird keinesfalls "wieder alles zusammengeschmissen".

 

Mythos: Bioabfall

Klartext: Bioabfall kehrt zurück zu den Wurzeln.

Jährlich fallen pro Oberösterreicher*in durchschnittlich 700 Kilogramm Abfall an. Rund 16 Prozent davon, also etwas mehr als 100 Kilogramm, sind biogene Abfälle. Diese werden in Kompostieranlagen (ca. 60 Prozent) und Biogasanlagen (ca. 40 Prozent) verwertet. Bei ersterem werden die Bioabfälle zu Kompost und Dünger verarbeitet, im zweiten Fall ersetzen sie fossile Brennstoffe. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Qualität des Bioabfalls stimmt!

Kunststoffe und alle sonstigen nicht biogenen Stoffe müssen aufwendig und großteils händisch aussortiert werden. Ein zu hoher Fehlwurfanteil führt zur Unbrauchbarkeit des gesamten Tonneninhalts.  

 

Mythos: Metall

Klartext: Metall darf keinesfalls im Restabfall entsorgt werden!

Restabfall aus Oberösterreich wird in den Verbrennungsanlagen in Linz und Wels thermisch verwertet. Ein Problem im Restabfall sind Metalle, insbesondere Aluminium, das in der Verbrennungsanlage langfristig kostspielige Schäden verursachen kann. Altmetall ist außerdem ein wichtiger Sekundärrohstoff, der beliebig oft und unter geringerem Energieaufwand recycelt werden kann - aber nur, wenn er im richtigen Container landet! Jährlich werden rund 4.600 Tonnen Metallverpackungen in Oberösterreich getrennt gesammelt. Aus dieser Menge ließen sich umgerechnet rund 500.000 Fahrräder herstellen.

Metalldosen aus dem Restabfall auszusortieren ist im Nachhinein nicht möglich. Bei rund 5.000 Containerstandplätzen in Oberösterreich gibt es die entsprechenden Behälter für die Sammlung von Metallverpackungen.

Mythos: Private Abfallsammler

Klartext: Private Abfallsammler und illegale Sammeltrupps picken sich nur die Rosinen aus dem „Altstoff-Kuchen“.

Der globale Markt beeinflusst die Preise für bestimmte Altstoffe. „Spitzenerlöse“ machen einzelne Altstoffe für private Sammelunternehmen attraktiv. Sinken jedoch die Erlöse, verschwinden auch die Sammler. Die kommunale Abfallwirtschaft hingegen hat im Sinne der Daseinsvorsorge die Verpflichtung, den oberösterreichischen Haushalten ihre Altstoffe und Abfälle abzunehmen, auch wenn dafür keine Erlöse erzielt werden.

Die kommunale Abfallwirtschaft ist zu jeder Zeit für ihre Bürger*innen da.